Die Bibel als gewachsene Schrift einer Epoche

Der hier vorliegende Band ist der erste in einer auf 22 Bände angelegten, in den vier Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch erscheinenden Reihe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine Rezeptionsgeschichte der Bibel, konzentriert auf genderrelevante biblische Themen, auf biblische Frauenfiguren und auf Frauen, die durch die Geschichte hindurch bis auf den heutigen Tag die Bibel auslegten, zu präsentieren.

Der erste Band dieses kulturgeschichtlich-exegetischen Projekts stellt in seiner Einleitung das gesamte Projekt vor und begründet sodann seine Entscheidung für den jüdischen Kanon, die allein die jüdische Traditionsgeschichte ebenso zu integrieren vermag wie die christliche. Die Beiträge über die Relevanz der Sammlung von kanonischen Schriften, die sozialgeschichtlichen und rechtshistorischen Hintergründe altorientalischen Frauenlebens sowie jener über den erhellenden Wert der Ikonographie sind Grundsatzartikel für alle biblischen Bände.

Von den Texten der fünf Bücher Mose, der Tora, sind vor allem die Schöpfungstexte der Urgeschichte relevant, da sie bis heute auf die Ordnung der Geschlechterverhältnisse in Christentum und Judentum Einfluss haben. Die Rolle von Frauen in den Genealogien des Pentateuchs ist insofern von Bedeutung, als damit in einer Gesellschaft, die das Erbe vom Vater auf den ältesten Sohn weitergibt, die Herkunft Israels und aller Völker definiert wird. Die Erzählungen über die Erzeltern Israels sowie jene zu Beginn des Exodusbuches stellen das narrative Pendant zum listenartigen Material der Stammbäume dar: Beide erklären das Werden Israels, die konfliktreiche Geschichte des Volkes und seiner Nachbarvölker ringsum in der Form von Familienerzählungen als Gebären und Zeugen, als Streit zwischen Geschwistern oder Heirat von Verwandten. Mirjam, der einzigen Prophetin in der Tora, die gemeinsam mit Mose und Aaron die Führung beim Exodus in das Land übernimmt, ist ein eigener Beitrag gewidmet. Mehrere Artikel befassen sich mit den geschlechtsspezifischen Fragen in Rechtstexten und kultischen Vorschriften der Tora, aber auch mit den entsprechenden Regelungen in Israels altorientalischer Umwelt. Ein archäologisch-ikonographischer Beitrag bereitet altorientalisches Bildmaterial auf, das die Texte der Tora zu „illustrieren“ und zu erhellen vermag. Ein eigener Beitrag ist historischen Spuren von Frauen und deren Lebensalltag gewidmet.

Bei einem derartigen Großprojekt ist der erste Band einerseits exemplarisch für alle weiteren, andererseits ist er auch der „Übungsband“, an dem man lernt, was in Folgebänden berücksichtigt werden muss. Wir haben uns bemüht, den Prinzipien des Projekts zu folgen, und haben in Bezug auf Nationalitäten, Sprachen, Geschlecht und Religions- bzw. Konfessionszugehörigkeit versucht, eine möglichst breite Auswahl der Beitragenden zu treffen. Das Faktum, dass aus Nordamerika nur Carol Meyers und mit Thomas Hieke nur ein einziger Mann in diesem Band schreiben, war ursprünglich nicht geplant, sondern hat sich schließlich so ergeben. Wir freuen uns, mit Beiträgen von WissenschafterInnen aus zehn Ländern einen geschlossenen Überblick über die genderrelevanten Fragestellungen in der Tora und ihren sozio-historischen Entstehungskontext geben zu können und bedanken uns bei allen AutorInnen für die konstruktive Zusammenarbeit. Die Artikel sind aus methodologisch und hermeneutisch unterschiedlichsten Perspektiven gearbeitet. Für die deutsche LeserInnschaft entsprechen die meisten Artikel (außer dem psychoanthropologisch-narratologischen Beitrag zu den Schöpfungserzählungen, der großes systematisches Interesse zeigt, oder auch der mit befreiungstheologischen Ansätzen arbeitende Beitrag zu Mirjam) dem breiten Spektrum ihrer Wissenschaftstradition.

Unser Dank gilt den zahlreichen Financiers, die das Zustandekommen des Bandes ermöglicht haben, allen voran den Schwestern der Mary Ward in Madrid. Wir danken ferner dem Land Steiermark, der Stadt Graz, der Vizerektorin für internationale Beziehungen und dem Dekanat der Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz, der Fondazione Pasquale Valerio per la Storia delle Donne sowie PD Dr. Valentine Rothe und der Katholischen Frauenbewegung der Diözese Graz-Seckau, die das vorbereitende Forschungskolloquium in Graz sowie Layout und Übersetzungsarbeiten mitfinanziert haben. Unser Dank gebührt auch den vier Verlagen, die das Projekt publizieren und fördern. Vor allen sind wir dem Kohlhammer-Verlag für die Unterstützung der Editorinnenkonferenz in Neapel zu Dank verpflichtet, insbesondere Jürgen Schneider und Florian Specker, die die gesamte Projektarbeit überaus hilfreich begleitet haben.

Dr. Andrea Taschl-Erber, die im Rahmen der Rektoratsverpflichtung von Irmtraud Fischer in das Projekt kam, hat seit 2008 beinah die gesamte Last der organisatorischen Abwicklung, der Erstellung von Formatvorlagen und der Korrespondenz mit den HerausgeberInnen und AutorInnen sowie die Editionsarbeiten zu diesem Band übernommen. Sie hat die deutsche Ausgabe daher mitherausgegeben. Dr. Antonio Perna danken wir für spontane Übersetzungen wichtiger Korrespondenzen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für alttestamentliche Bibelwissenschaft in Graz, Dr. Sigrid Eder, Ass. Prof. Dr. Johannes Schiller, Mag. Edith Petschnigg und Mag. Patrick Marko für unterstützende Mitarbeit in einzelnen Teilbereichen der Verwaltung und der Übersetzung sowie der Manuskriptfertigstellung. Für das Layout und die Herstellung der Druckvorlage der deutschen Ausgabe danken wir sehr herzlich Christine Otto.

Inhaltsverzeichnis

DIE BIBEL ALS GEWACHSENE SCHRIFT EINER EPOCHE

  • Silvia Schroer Altorientalische Bilder als Schlüssel zu biblischen Texten
  • Carol Meyers Archäologie als Fenster zum Leben von Frauen in Alt-Israel
  • Sophie Démare-Lafont Die rechtliche Stellung von Frauen in den juristischen Texten des Alten Orients
  • Donatella Scaiola Tora und Kanon. Probleme und Perspektiven

FRAUENTEXTE UND GENDERRELEVANTE FRAGESTELLUNGEN IN DER TORA

  • Thomas Hieke Genealogie als Mittel der Geschichtsdarstellung in der Tora und die Rolle der Frauen im genealogischen System
  • Mercedes Navarro Puerto Abbild und Ebenbild Gottes: Frau und Mann in Gen 1-3 als offenes System im Kontext von Gen 1-11
  • Irmtraud Fischer Zur Bedeutung der "Frauentexte" in den Erzeltern-Erzählungen
  • Jopie Siebert-Hommes Die Retterinnen des Retters Israels. Zwölf "Töchter" in Ex 1 und 2
  • Ursula Rapp Zippora. Das Verschwinden einer Ehefrau
  • Mercedes García Bachmann Mirjam als politische Führungsfigur beim Exodus
  • Dorothea Erbele-Küster Geschlecht und Kult. "Rein" und "Unrein" als genderrelevante Kategorien
  • Karin Finsterbusch Frauen zwischen Fremdbestimmung und Eigenständigkeit. Genderrelevantes in den Gesetzestexten der Tora

Bibliographie

Stellenregister

La TORAH

TORA

  • Hg. Irmtraud Fischer
  • Mercedes Navarro Puerto
  • Andrea Taschl-Erber

Stuttgart 2010

La TORAH

LA TORAH

  • Eds.
    Mercedes Navarro Puerto
  • Irmtraud Fischer
  • Colaboración
    Andrea Taschl-Erber

Año 2010

La TORAH

LA TORAH

  • Eds.
    Irmtraud Fischer
  • Mercedes Navarro Puerto
  • Colaborazione
    Andrea Taschl-Erber

Anno 2010

GENERAL EDITORS
  • Jorunn Økland

    Oslo University, Norway

  • Irmtraud Fischer

    Graz University, Austria

  • Mercedes Navarro Puerto

    Madrid, Spain

  • Adriana Valerio

    Napoli University, Italy

  • Christiana de Groot

    Calvin College, USA

PUBLISHERS
CONSULTANT FOR ART HISTORY
  • Maria Leticia Sánchez Hernández

    National Heritage Museum, Madrid (S)

  • Heidi Hornik

    Baylor University, USA

CONSULTANT FOR MUSIC HISTORY
  • Linda Maria Koldau

    Aarhus Universitet, DK

CONSULTANT FOR LITERATURE RECEPTION
  • Magda Motté

    Aachen, D

CONSULTANT FOR HISTORY OF JUDAISM
  • Adele Berlin

    University of Maryland, USA

  • SPONSOR
    • FONDAZIONE P. VALERIO PER LA STORIA DELLE DONNE